HR Prof. Mag. Franz Wendelberger

Hofrat Prof. Mag. Franz Wendelberger

Direktor am GRG 10 

1.7.2003 bis 31.8.2014

 

                                                                                                    

                                                                                                

11 Jahre Direktion am Laaerberg war eine großartige Zeit für mich, ohne Zweifel die schönste, aber gleichzeitig die arbeitsreichste und herausforderndste Phase meines Berufslebens. Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich nicht mit Freude und guter Laune in die Schule gekommen wäre, obwohl natürlich auch zahllose Problemlösungen und Konfliktlösungsgespräche zum Alltag meiner Tätigkeit an der Schule zählten. Besonders beeindruckt hat mich die offene, freundliche und herzliche Art der Kinder. Was man an so manchen anderen Schulen vermisst, ein freundlicher Gruß, ein sympathisches Lächeln, hatten unsere SchülerInnen ‚immer drauf‘. Auch an das coole ‚Hallo Direktor‘ habe ich mich rasch gewöhnt. Als geprüfter Schilehrer durfte ich auch immer wieder die Schikurse der 3. und 4. Klassen hospitieren, und dabei konnten wir – die SchülerInnen und ich – einander in einer ganz anderen, außerschulischen Umgebung bei Sport und Freizeit kennenlernen. Dabei hat sich gezeigt, wie gut Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft, miteinander auskommen.

 

Die stets offene Tür zum Konferenzzimmer symbolisiert die Offenheit der LehrerInnen den SchülerInnen gegenüber. Die ‘Trauben‘ an SchülerInnen vor dem Konferenzzimmer und im Sekretariat symbolisieren das Vertrauen der SchülerInnen in unsere LehrerInnen und in unser Verwaltungspersonal. Diese herzliche, sympathische Atmosphäre kennzeichnet „den Laaerberg“.

Bei meiner Tätigkeit als Schulleiter waren für mich drei Bereiche stets vorrangig und von größter Wichtigkeit:

 

  • Schülerinnen und Schüler – respektvoller Umgang, Lernen mit Freude in einer angstfreien Umgebung     Umgebung, Erreichen eines adäquaten Bildungsniveaus, Förden, Unterstützen - vor allem sozial benachteiligte Kinder
  • Lehrerinnen und Lehrer – Schaffung eines optimalen Arbeitsklimas, Unterstützung in allen schulischen Belangen und Fördern bei besonderen Qualifikationen, Wertschätzung und Einbeziehen in die Entwicklung der Schule
  • Schulambiente – optimale räumliche und technische Ausstattung

 

An meinem ersten Arbeitstag am GRG 10 hat mich in der Direktion ein nicht angeschlossener ‚286er PC‘ willkommen geheißen. Gezwungenermaßen war meine erste große Investition der Ausbau des Verwaltungsnetzes mit mehreren Verwaltungscomputern für Administration und Sekretariat. Als erfahrener Schul- und Organisationsentwickler fiel mir sehr bald die unterschiedliche Gewichtung der drei Schultypen (Gymnasium, wirtschaftskundliches Realgymnasium und naturwissenschaftliches Realgymnasium) auf, was durch deutlich unterschiedliche Anmeldezahlen und Leistungsniveaus in die einzelnen Zweige belegt war. Aufbauend auf bereits vorhandene Schulentwicklungsprozesse und dank zahlreicher ungemein engagierter KollegInnen kam ein mehrjähriger Entwicklungsprozess in Gang, der letztlich in unserer neuen  Oberstufe mit besonderen Schwerpunkten seinen Abschluss fand: Medienkompetenz in ComMedia,  naturwissenschaftliche Praxis im Laborzweig und ökologische und soziale Kompetenzen in Ökos. Die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen bieten den SchülerInnen unserer Schule ein breites Bildungsangebot, ausgerichtet auf unterschiedliche Begabungen.

Um ein solches Mammutprojekt erfolgreich durchführen zu können, bedurfte es Organisationsstrukturen, die die Kommunikation im LehrerInnenbereich optimal sicherstellten, aber auch die Umsetzung in den Klassen für die Schülerinnen und Schüler bestmöglich gewährleisteten. 

Dafür kam mir das Projekt NOWA (Neue Organisationsstrukturen an Wiener AHS) des Stadtschulrates sehr entgegen. Das GRG 10 konnte ab 2006 als Pilotschule an diesem Projekt teilnehmen und beachtliche Ressourcen für ein mittleres Management nutzen. Dadurch war es möglich, FachkoordinatorInnen einzusetzen, die für die Umsetzung pädagogischer Maßnahmen verantwortlich waren, weiters SchultypenkoordinatorInnen, deren Aufgabe es war, für die Implementierung der neuen Schulzweige zu sorgen, und ein Schulentwicklungsteam einzurichten, das als Supportteam der Schulleitung aktuelle Prozesse zu betreuen hatte. Diese Strukturen haben sich danach vor allem bei der Einführung und Umsetzung der ‚Neuen Reifeprüfung‘ bewährt, da dadurch ein optimaler Informationsaustausch gewährleistet war. Dass die Lehrkräfte des GRG10 bestens auf die neue Reifeprüfung vorbereitet waren und damit auch die Schülerinnen und Schüler, haben die ausgezeichneten Ergebnisse des ersten Durchgangs der neuen Matura gezeigt.

 

Neben den pädagogischen Herausforderungen am Laaerberg gab es natürlich auch räumliche und technische Probleme zu lösen. Das GRG 10 wurde 1997 für 32 Klassen neu gebaut,  aber bald mussten 40 Klassen untergebracht werden. Wanderklassen waren mir ein Dorn im Auge. Einen Festsaal für größere Veranstaltungen gab es nicht, nicht einmal eine EDV-Verkabelung war in allen Klassen vorhanden. 2003 gab es im Parterre noch einen ungenützten, voll eingerichteten Kindergarten, im Garten davor einen beachtlichen Hügel mit Rutsche und Schaukeln. Nach mühsamen Verhandlungen mit Stadtschulrat und Bundesimmobiliengesellschaft wurden zwischen 2005 und 2006 der Kindergarten in zwei schöne Klassen umgebaut, der Hügel im Garten (unweit des Biotops) abgetragen, um einen Aufenthaltsbereich für die Tagesbetreuung zu schaffen, die Aula im ersten Stock multimedial für Vorträge, Veranstaltungen etc. ausgestattet (Lautsprecher, Beamer, Projektionswand, Verdunklung). Gleichzeitig wurde die Garderobe der Aula (ursprünglich „Ohrwaschl“ genannt) in eine Klasse umgebaut, die aufgrund der Glaswände liebevoll in „Aquarium“ umgetauft wurde. Nebenbei sind die Schaffung einer zweiten Administration (anstelle einer Garderobe) mit einem Durchbruch zur Administration 1 und die Installation eines elektronischen Schlüsselsystems zu erwähnen.

Das erfolgreiche eLSA-Projekt (elektronisches Lernen im Schulalltag) an unserer Schule hat dazu geführt, dass zwischen 2008 und 2014 alle Klassen mit Beamer ausgestattet wurden. Die moderne technische Ausstattung der Klassen hat sich natürlich auch besonders positiv auf die Unterrichtsgestaltung ausgewirkt. Wegen der Einführung des elektronischen Klassenbuchs habe ich gemeinsam mit einer Schulmöbelfirma den EDV-Klassenlehrertisch entworfen, wodurch es möglich war, in jeder Klasse den Klassenlaptop sicher zu verwahren.

Die Lösung des Raumproblems war eines meiner größten Anliegen, denn an einer österreichischen Schule sollten die Kinder im 21. Jahrhundert doch über einen eigen Klassenraum verfügen. Ab 2006 habe ich mich schriftlich und persönlich unentwegt um eine Verbesserung der Raumsituation an die zuständigen BehördenvertreterInnen gewandt und trotz mancher Rückschläge  nie aufgegeben. Der Wunsch nach zusätzlichen Klassenräumen war nicht erfüllbar – kein Geld, keine Notwendigkeit (!?), technisch nicht machbar etc., das waren die Rückmeldungen. Jetzt bedurfte es einer anderen Strategie. Durch unsere erfolgreiche, attraktive Tagesbetreuung hatte ich die Idee, dem Bildungsministerium den Bau eines von der Schule räumlich getrennten eigenen Tagesbetreuungsbereiches vorzuschlagen, und plötzlich hatte ich die volle Unterstützung der Wirtschaftsabteilung des Stadtschulrates: gleich nach der ersten Begehung war klar, wo der Zubau erfolgen wird. In enger Zusammenarbeit mit HR Kapoun/SSR und Architekt Rudersthaller wurde das Raumkonzept entwickelt: Basisebene: ein großer Veranstaltungs/Mehrzweckraum mit einem teilbaren Bühnen-/Musikbereich und Nebenräume und im ersten Stock fünf Tagesbetreuungsklassen. Der Behördenlauf war steinig, und erst im Herbst 2013 fand der Spatenstich statt. Die offizielle Eröffnung des Zubaus erfolgte im Dezember 2014. Vorausschauend wurde eine zukünftige 3. Ebene bautechnisch berücksichtigt, Pläne für einen neuen Bibliotheksbereich sowie Lehrerund Schülerarbeitsplätze wurden entworfen - für den Fall, dass auch in Österreich einmal ganztägige  Schulformen der Usus werden.

 

                                   

             25. März 2010                                                März  2017

Abschließend möchte ich mich bei meinem großartigen LehrerInneteam für ihre ausgezeichnete Unterrichtsarbeit und unerschöpfliche Geduld bei der Betreuung und Unterstützung unserer Schülerinnen und Schüler bedanken. Ich war und bin stolz auf mein LehrerInnenteam!

Mein hervorragendes Schulentwicklungsteam und das eLSA-Team – in wechselnder Zusammensetzung seit 2006 – haben nicht nur dazu beigetragen, dass der Laaerberg ein topmodernes, breites, attraktives  Bildungsangebot entwickeln konnte, sondern auch dazu, dass unsere Schule, weit über die Stadtgrenzen hinaus, den Ruf einer innovativen, erfolgreichen Schule genießen konnte.

Im zuletzt geschaffenen Funktionsbereich der SQA-Koordination haben sich Frau Mag. Mandl und Frau Mag. Sommer besonders ausgezeichnet. Danke für euren großen Einsatz bei der Qualitätssicherung unserer Schulprojekte.

Mein Administrationsteam (OStRin Mag. Rupp, Mag. Kommenda) und mein Sekretariat (Frau Rothen, Frau Prinz, Frau Horak) haben sich unermüdlich um LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern gekümmert und ‚ihren Direktor‘ nach vollen Kräften unterstützt. Ihr habt großartige Arbeit für unsere Schule geleistet.

Mein Dank gilt auch Herrn OSW Binder und seinem Team, Herrn Thury, der stets um die Sicherheit unserer Schule im Einsatz war, den ElternvertreterInnen und Sponsoren  unserer Schule.

Somit wünsche ich allen – auch zukünftigen – Schülerinnen und Schülern unserer Schule viel Erfolg und Freude bei ihrem Ausbildungsweg am Laaerberg. 

Meiner Nachfolgerin, Frau Dir. Mag. Heerstraß, gratuliere ich zur Übernahme der Direktion dieser großartigen Schule und wünsche ihr viel Erfolg bei ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit.

 

 

Franz Wendelberger

 

HR Mag. Dr. Blanka Partl, Direktorin von 1974 bis 1988

Vom Jänner 1974 bis Jänner 1988 war ich Direktorin dieser Schule. In meine Amtsperiode fiel eine Reihe von Veränderungen, die größtenteils auf dem im Schuljahr 1974/75 in Kraft getretenen Schulunterrichtsgesetz fußen. Durch eine stärkere Einbindung der Eltern im Rahmen des Schulgemeinschaftsausschusses erfuhr die Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern noch weitere Impulse. 1978 kamen erstmals Buben an unsere Schule, und die Auseinandersetzung mit Fragen der Koedukation wurde Alltag.

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Mag. Dr. Peter Ladinger, Direktor von 1988 - 2002, Begegnung und Zusammenarbeit 1946 -1996

Welchen Maßstab man immer an eine Schule anlegt, sie ist stets am “hic et nunc“ zu messen, an der fruchtbaren pädagogischen Begegnung, an der Erfüllung von Hoffnungen und Träumen und an der gemeinsamen Bewältigung von Enttäuschungen und Schwierigkeiten. Wenn dieses “hic et nunc" einer Schule stimmt, dann ist die Vergangenheit mehr als ein nostalgisch verklärter Rückblick und die Zukunft nicht auf Sand gebaut.
Wenn auch 50 Jahre für das Bestehen einer Wiener Bildungsinstitution historisch gesehen nur eine kurze Zeitspanne darstellt, so ist es doch für mich ein willkommener Anlaß, einen kurzen Rückblick zu halten.

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HR Mag. Elisabeth Volkmer, Direktorin bis 1974

Für den Historiker sind 50 Jahre eine kurze Zeitspanne. Für den einzelnen Menschen oder eine Institution, wie eine Schule, können 50 Jahre eine lange und ereignisreiche Zeit sein. Und ereignisreich war dieser Zeitabschnitt für diese Schule wahrlich.

Als sie am 2. September 1946 durch Abtrennung der Mädchenklassen von der Realschule X gegründet wurde, bestand sie nur aus Lehrern und Schülern. Sie hatte kein eigenes Haus, kein Inventar, keine Unterrichtsbehelfe, rein gar nichts. Während der ersten Monate der Selbständigkeit waren wir Untermieter im MRG VI in der Rahlgasse. Aus Platzmangel konnte nur am Nachmittag unterrichtet werden. Das bedeutete damals aber unbeheizte Klassenzimmer (Brennmaterial reichte nur für eine bescheidene Heizung am Vormittag), Stromausfall bei Einbruch der Dunkelheit und Fußwanderung der Schülerinnen in den 10. Bezirk, damals “Russenzone". Kein Wunder, daß es daher viele Abmeldungen an Schulen mit Vormittagsunterricht gab und schließlich ein Tiefstand von nur 6 Klassen mit 166 Schülerinnen erreicht wurde.

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